Schenk DICH glücklich

back_Cassandra_Bow_Back_Knicker_LipstickWir waren glücklich. Ich und mein Schlüpfer. Bis sich Paul einmischte. Wir lebten in Eintracht und Frieden und alles war gut. Ich stand in der Früh auf und zog ihn an. Abends zog ich ihn aus und mir die Decke über den Kopf. Ich sah nicht auf ihn herab, seine Ansprüche an mich waren nicht allzu hoch. Wir waren uns einig, wir waren uns ebenbürtig. Graublau war er mein Schlüpfer – wie meine Augen – und in guten Momenten bildete ich mir ein, die Tiefe meiner Seele spiegelte sich in ihm wider. Ach! Wie gesagt, bis Paul sich einmischte. Und mir ein Geschenk machte. Rot war es, glänzend und mit Schleife. Im ersten Moment entzückt, schwante mir im zweiten Schlimmes. Zögerlich nahm ich ihn zwischen meine Finger, weich war er, fühlte sich gut an. Glatteres Rot im Vergleich zu rauem, zugegebenermaßen bereits etwas fusseligem Blau. Na na, Loyalität ist eine Tugend. Ermahnte ich mich, huschte aber doch ins Schlafzimmer, wo der große Spiegel stand. Ein Blick, ein zweiter. Wütend werfe ich den blauen Schlüpfer zu Boden und mich anschließend aufs Bett. Tief drücken sie mich in die Kissen, die Ansprüche dieses neuen, dieses Schlüpfers, nein Höschens. Oh welch ein Hauch von rotem Satin, der mich eben aus dem Spiegel anlächelte. Nein, eine Grimasse hat er mir geschnitten, die Zunge rausgestreckt. Getarnt als süße Schleife. Mein Po kommt mir in Rot größer vor als in Blau. Und auch was die Oberschenkel angeht, so scheint mir der Neue ganz schön Rot aufzutragen.

Schenken KANN Ausdruck altruistischen Handelns sein, versuche ich mich zu beruhigen. Ich sollte mich also freuen. Ich werde Paul dankbar um den Hals fallen, sobald er nach Hause kommt. Jawohl. Lass dich nicht hinters Licht führen, argwöhnt es im nächsten Moment in mir. Geschenke sind meist mit irgendeiner Absicht verbunden. Was will mir das rote Höschen sagen? Gefalle ich Paul etwa nicht mehr? Trübe Wolken verdunkeln einst strahlendes Blau. Bin ich nicht sexy genug? Ich blicke auf meinen Schlüpfer. Nein, sexy … fühl ich mich … nicht … gerade … frustriert hingegen schon. Und das Geschenk wird zur Sanktion. Reiß dich zusammen! Du wirst es anmutig tragen. Das kleine Rote. Nein! Du wirst dich rächen, deine Selbstzweifel be-  und Paul in einen Tanga zwingen! Und schon mahlt sie mich, die Mühle der Geschenkökonomie. Übt Druck auf mich aus, zwingt mich zu Dankesgesten und Kaufrevanche. Ich werde … ich werde …

Sanft streicht es über meine Wange, rotes, warmes Satin … Höschen … schmiegt sich an meine Seite und flüstert: „Liebling du bist eingeschlafen … oh … keine Andere sähe schöner darin aus! Gefällt es dir?“ Ich blinzele Paul in die Augen und finde Rot plötzlich richtig.

Was soll’s. Auch wenn erotische Geschenke meist über das rein altruistische Ziel ihres Gönners hinausschießen und Mann sich dabei gerne selbst ein bisschen glücklich schenkt, sollte Frau ihre innere emanzipierte Soziologin zumindest soweit im Griff haben, dass sie es ihr auch mal gestattet sich für den Liebsten in Schale oder eben knallrote Höschen zu werfen! Und nachdem meinem Selbstbewusstsein etwas Zucker ums Maul geschmiert wurde, muss ich zugeben, dass ich mich sogar reizend  süß darin finde.

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